manualONE. Alle Anleitungen. Alle Belege. Eine App.“ lautet der Slogan einer neuen Mobile App, die dem Nutzer alle Informationen rund um seine elektronischen Geräte zur Verfügung stellt. Durch den schnellen Zugang zu Bedienungsanleitungen, Anwendungstipps, Garantiescheinen, Servicenummern etc. wird der alltägliche Umgang mit Smartphone, Fernseher, Digitalkamera oder Waschmaschine erleichtert.

Hinter der App steckt das junge Kölner Startup Kumukan GmbH, das als Spin-Off der Deutschen Telekom AG gestartet ist und über deren VC-Tochter T-Venture ins Leben gerufen wurde. Im Juli 2015 gewann das Gründerteam, bestehend aus Jane Gerling, Markus Schorn und Sascha Fassmann, den Corporate Startup Award in der Kategorie „Beste Neuentwicklung“.

manualONE - SaschaFassmann - JaneGerling - MarkusSchorn - vlnr

Das Team von manualONE: SaschaFassmann, JaneGerling, MarkusSchorn (vlnr)

Wie es zu der Kooperation zwischen Startup und deutschem Großkonzern kam und wo die Vor- aber auch die Nachteile einer solchen Partnerschaft liegen, verrät uns das Team im Kurzinterview:

Was genau macht manualONE und welches Geschäftsmodell verbirgt sich dahinter?

Jane Gerling: Unsere Geschäftsidee stützt sich auf die Erkenntnis, dass nur wenige Nutzer alle Funktionen ihrer Geräte zuhause wirklich kennen. Das möchten wir mit unserer App ändern: manualONE soll dabei helfen, die immer größer werdende Sammlung an Geräten zuhause einfacher und besser zu nutzen. Wir zeigen, dass der Umgang mit Elektrogeräten kinderleicht sein kann – wenn man eben weiß, wie’s geht! Und ganz nebenbei machen wir endlich Schluss mit dem chaotischen Sammelsurium an Gebrauchsanweisungen und Belegen.

Sascha Fassmann: Unser Geschäftsmodell stützt sich vor allem darauf, dass manualONE für die Hersteller einen wichtigen Kommunikationskanal zum Kunden darstellt: mit unserer Plattform können die Nutzer über wichtige Updates, dringende Produktrückrufe oder passende Angebote informiert werden. Bisher verliert sich die Spur zum Kunden sobald er ein neues Gerät gekauft hat. Keiner von uns füllt doch wirklich diese Produktregistrierkarten aus, oder?

Zwei der drei Gründer waren zuvor Mitarbeiter der Deutschen Telekom AG. Was hat sie zur Gründung eines eigenen Unternehmens bewogen?

Markus Schorn: Ich war bei der Telekom die letzten Jahre für die TopApps-Vermarktung zuständig und hatte dadurch viele Berührungspunkte zur Startup-Szene. Als dann im Konzern die Idee zu manualONE aufkam und Gründer für die Geschäftsidee gesucht wurden, war ich sofort begeistert. Es ist toll, ein Startup aufzubauen und gleichzeitig noch die Anbindung zum Telekom Konzern zu haben.

Jane: Ich wollte schon immer mal eine meiner Ideen realisieren und es mit einem eigenen Startup versuchen. In meinem alten Job bei der Telekom hatte ich außerdem das große Glück, einen Chef zu haben, der mich immer unterstützt und gefördert hat. Er ließ mich, neben meinen regulären Aufgaben, eine Adventskalender-App für den Konzern entwickeln. So bin ich auf den Geschmack gekommen.

Ein Startup aus dem Großkonzern heraus gründen – leichtes Spiel? An welchen Stellen galt es Überzeugungsarbeit zu leisten und wie ist die Kooperation aufgebaut?

Markus: Die Idee entstand bereits zu Zeiten von René Obermann und intern gab es für das Vorhaben von Anfang an von allen Seiten grünes Licht. So gesehen war es also ein leichtes Spiel. Allein, was den zeitlichen Ablauf angeht, mussten wir ein wenig geduldig sein. In Großunternehmen gibt es viele Abstimmungs- und Freigabeprozesse und so zog es sich mit der Gründung noch bis zum Frühjahr 2014 hin. Seitdem agieren wir autark nach dem Lean-Startup-Modell. Gleichzeitig nutzen wir die Netzwerke und Synergien des Konzerns. Operative Unterstützung bekommen wir beispielsweise im HR-Bereich oder bei juristischen Fragen.

Was konnte die Deutsche Telekom zum Gelingen des Gründungsprojekts beisteuern und hat sich die Partnerschaft für beide Seiten gelohnt? Falls ja, weshalb?

Sascha: Die Telekom, genauer das Team der T-Venture, hilft uns enorm mit ihrem Know-how aus dem Startup-Bereich: wie entwickele ich das richtige Geschäftsmodell, wie adressiere ich potentielle Investoren etc. Auf der anderen Seite konnten wir die neugewonnene Erkenntnisse zu „Agile Product Development“ und „Lean Startup“ in den Telekom Konzern transferieren, damit zukünftig auch interne Unternehmensprozesse unter den Mitarbeitern „agil“ und „lean“ gestaltet werden können.

Corporate Startups bewegen sich im Spannungsfeld zwischen „Hands on“-Mentalität und Konzernhierarchie. Wie sind Eure Erfahrungen damit? Gab und gibt es Reibungspunkte?

Jane: Wir haben bisher durchweg positive Erfahrungen gemacht. Wir sind wirklich sehr dankbar über die hervorragende Tandem-Konstellation mit der Deutschen Telekom: wir entwickeln und arbeiten selbstständig – können aber jederzeit auf die Corporate Unterstützung zählen.

Wie sieht es mit der Umsetzungsgeschwindigkeit aus? Welchen Einfluss hat ein Großkonzern auf die Agilität des Startups?

Sascha: In unserem Fall wirkt sich die Zugehörigkeit zum Großkonzern nicht auf unser Arbeitstempo aus. Wie Jane eben schon erwähnt hat: wir sind wirklich rundum zufrieden mit der Kooperation.

Welche Vorteile gab es durch die Ausgründung als Corporate Startup gegenüber einer eigenständigen Gründung?

Markus: Als erstes fällt mir hier der finanzielle Aspekt ein. Als Corporate Startup gab es für uns ein VC Funding, mit dem wir manualONE gründen und ein Topteam einstellen konnten. Ein klarer Vorteil gegenüber einer eigenständigen Gründung. Außerdem steht uns jederzeit ein erfahrener Beirat mit Rat und Tat zur Seite. Ein praktisches Beispiel: wir konnten schon manches mal auf wertvolle Kontakte aus dem Telekom Netzwerk zugreifen. Das hilft wirklich ungemein, etwa bei der Suche nach potentiellen neuen Geschäftspartnern.

Würdet Ihr manualONE wieder im Rahmen einer Kooperation gründen, wenn Ihr Euch mit den heutigen Erfahrungen neu entscheiden könntet?

Jane: Ganz klar – JA!

Ambi-Vation.com bedankt sich für diese spannenden Einblicke und wünscht weiterhin viel Erfolg!

Übrigens könnt Ihr das Team persönlich kennenlernen: manualONE ist am 05.September 2015 beim „IFA TecWatch Forum“ und bei der „Langen nach der Startups“ mit einem Stand in Berlin vorort.

Über Ambi-Vation
Ambi-Vation verbindet innovative Unternehmen und Startups für Innovations-Partnerschaften. Dabei forciert Ambi-Vation als Innovationsberatung und Match-maker die Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Startups im Rahmen eines allgemeinen Austauschs sowie im Rahmen von konkreten Kunden-, Lieferanten- und Forschungspartnerschaften. Konkret unterstützt Ambi-Vation Unternehmen bei der Bedarfsidentifikation, Startupidentifikation, Startupbewertung und Kooperationsanbahnung der Zusammenarbeit. Dazu dienen Formate wie beispielsweise die Recherche von relevanten Startups, ein Startup-Monitoring, strategische Kooperationsberatung oder Eventformate wie Startup Touren. Der monatliche Newsletter informiert zudem neugierige Unternehmensvertreter über aktuelle Kooperationsbeispiele und Events zu diesen Kooperationen.