Perfect Match: Dresdener Startup Wandelbots unterstützt Volkswagen bei Automatisierungsprozessen

Das Dresdener Startup Wandelbots hat geschafft, wovon viele träumen: Bereits wenige Monate nach Gründung ist es dem Team rund um CEO Christian Piechnick gelungen, verschiedene Großkonzerne als Kooperationspartner und Kunden zu gewinnen. Die jungen Wissenschaftler von der TU Dresden bieten eine clevere Lösung, um mithilfe intelligenter Kleidung Roboterarme zu steuern und Automatisierungsprozesse zu beschleunigen. Im Interview mit Ambi-Vation gibt Christian Piechnick spannende Einblicke in die aktuelle Kooperation mit Volkswagen und erklärt, worauf Startups bei der Kontaktaufnahme zu etablierten Unternehmen unbedingt achten sollten.

Christian, könntest du bitte zunächst einmal für unsere Leser zusammenfassen, worum es bei Wandelbots genau geht?

Was wir prinzipiell machen, ist, eine Lösung zu entwickeln, die die Programmierung von Industrierobotern demokratisieren soll. Heute ist es noch unglaublich schwierig, zeitaufwändig und wahnsinnig teuer, Robotern etwas beizubringen. Dafür braucht es speziell ausgebildete Entwickler. Wir bauen ein Produkt, das es am Ende jedem Menschen ermöglicht, Roboter zu programmieren. Dabei nutzen wir intelligente Kleidung, die die Körperbewegungen eines Menschen erfasst und auf den Roboter überträgt. Die Software im Hintergrund lernt aus diesem Prozess und generiert ein Programm, das der Roboter dann automatisch anwenden kann.

Die Kooperation mit etablierten Unternehmen spielt dabei sicher eine wichtige Rolle?

Ja, wir profitieren wahnsinnig davon. Startups haben oft viele gute Ideen, um die Welt ein Stück besser zu machen. Das Problem ist, wenn du den ganzen Tag in deinem Büro hockst, im eigenen Saft schmorst und nicht mit den Leuten da draußen redest, kann es schnell passieren, dass du etwas entwickelst, das an den eigentlichen Bedürfnissen deiner Zielgruppe vorbeigeht. Für uns war es essentiell, von Anfang an mit etablierten Unternehmen Kontakt zu haben, um zu schauen, wie unser Produkt zukünftig eingesetzt werden kann und wie gut es funktioniert.

 

Wie muss man sich das konkret vorstellen?

Die Kooperationspartner fordern uns natürlich heraus. In unserem Fall wagen wir uns gemeinsam mit dem Partner an völlig neue Aufgaben, die automatisiert werden sollen, und in bestimmten Rahmenbedingungen umsetzen müssen. Dadurch lernen wir sehr schnell. Wir probieren etwas aus und sehen, ob es funktioniert oder eben nicht und warum nicht. Dann bleibt die Frage: Was fehlt uns noch? Das heißt, wir können durch die Kooperationspartner in ganz kurzen Zyklen Features validieren und bekommen ein unmittelbares Feedback dazu, wo wir stehen.

Kannst du uns von einem Kooperationsbeispiel berichten, das euch aktuell beschäftigt?

Volkswagen in Dresden, die Gläserne Manufaktur, ist für uns zum Beispiel ein idealer Partner. Zum einen ist das ein großer Konzern, in dem alle Prozesse darauf ausgelegt sind, Autos profitabel zu verkaufen. Zum anderen steht das Unternehmen wie viele andere vor einem Problem, das wir adressieren – nämlich, dass die schnelle Automatisierung bestimmter Aufgaben beim aktuellen Stand der Technik schwierig ist. Dafür bieten wir eine Lösung. Im Moment arbeiten wir etwa daran, in einer Mensch-Roboter-Kollaboration Lautsprecher in Autotüren einzubauen. Dafür bekommen wir sämtliche Technik zur Verfügung gestellt. Das Ganze in der Praxis auszuprobieren, gibt uns die Möglichkeit, nochmal ganz neue Verbesserungsideen zu entwickeln.

Viele unserer Leser fragen sich jetzt bestimmt: Wie schafft man es, solche Kontakte zu knüpfen?

Man muss mutig sein. Und man muss sich vorher ganz genau darüber im Klaren sein, welchen konkreten Partner man ansprechen will und wie man diesem einen Benefit geben kann. Gerade bei großen Konzernen ist es ja immer so, dass sie, weil sie so riesig sind, auch viel mehr Zeit bei der Umsetzung brauchen. Insbesondere im Falle technologischer Innovationen, die sie wirklich weiterbringen, sind solche Firmen aber auch sehr daran interessiert, Startups mit ins Boot zu holen.

Warum fällt es vielen Startups trotzdem erstmal schwer, etablierte Unternehmen als Kooperationspartner zu gewinnen?

Ich denke, viele Startups trauen sich das noch nicht richtig zu oder fragen vielleicht auch bei den falschen Positionen an. Dabei ist es ja so, dass gerade diese großen Unternehmen unter Druck stehen, sich ständig zu erneuern. Und natürlich hat man es auch in diesen Firmen immer mit Menschen zu tun. Es kommt darauf an, die Person, mit der man spricht – zum Beispiel jemand, der im Unternehmen für Innovation verantwortlich ist – davon zu überzeugen, dass sich für sie Vorteile aus der Kooperation ergeben. Und man muss hartnäckig sein.

Dabei macht es wahrscheinlich schon mehr Sinn, jemanden persönlich anzusprechen, etwa auf einer Messe, als ins Blaue hinein E-Mails zu schreiben, oder?

Es hilft als Startup immer sehr, sich ein gutes Netzwerk aufzubauen. Um persönliche Kontakte zu bekommen, sind Netzwerk-Veranstaltungen extrem wichtig. Im Zweifel kann ein Gesprächspartner einem ein halbes Jahr später helfen, einen Kontakt woandershin zu bekommen. Zudem gibt es auch seitens vieler Konzerne Innovationsveranstaltungen und Wettbewerbe, bei denen man sich präsentieren kann. Es kommt also auch darauf an, Zeit und Energie in Dinge zu investieren, die einen möglicherweise nicht unmittelbar weiterbringen – später aber dann vielleicht doch.

Auf welche Herausforderungen sollten Startups sich bei der Kooperation mit gestandenen Unternehmen gefasst machen?

Die Zusammenarbeit mit Volkswagen läuft total unkompliziert. Bei manchen Großkonzernen merkt man aber auch, dass die unfassbar bürokratisch, kompliziert und langsam sind. Dann die Geduld zu behalten, kann schon eine Herausforderung sein. Zum anderen ist es wichtig, sich niemals unter Wert zu verkaufen. Als Startup fühlt man sich gegenüber einer großen Firma immer sehr klein und schwach, weil man weniger finanzielle Ressourcen hat und denkt, dass die Abhängigkeit nur in eine Richtung geht. In Wirklichkeit sind große Konzerne aber auch davon abhängig, Innovation in ihr Unternehmen zu holen.

Welche Vorteile bietet die Kooperation aus eurer Perspektive?

Zum einen haben die etablierten Unternehmen die finanziellen Mittel, um bestimmte Ideen umzusetzen. Darüber hinaus wird das Startup aber durch die Kooperation auch sichtbarer. Wenn du mit den bekannten Firmen aus deiner Branche kooperierst, zeigt das letztendlich auch, dass das, was du anbietest, Sinn macht.

Worauf sollten unsere Leser bei Kooperationsvorhaben unbedingt achten?

Wichtig ist bei so einer Kooperation, die präzisen Mehrwerte für beide Seiten herauszuarbeiten. Hier sollte man von Anfang an mit dem Partner offen und ehrlich sein, und seine Interessen und Zielsetzungen klar formulieren. Nur so ist eine wirklich agile und motivierte Umsetzung auf beiden Seiten sichergestellt. Diese Zielsetzung als auch die Leistungen beider Partner sollten in einem Vertrag festgeschrieben werden. Hier empfiehlt sich sehr, einen Anwalt zu Rate zu ziehen, der sich mit solchen Dingen auskennt.

 

 

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So geht sächsisch: Wandelbots

 

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Über Ambi-Vation
Ambi-Vation verbindet innovative Unternehmen und Startups für Innovations-Partnerschaften. Dabei forciert Ambi-Vation als Innovationsberatung und Match-maker die Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Startups im Rahmen eines allgemeinen Austauschs sowie im Rahmen von konkreten Kunden-, Lieferanten- und Forschungspartnerschaften. Konkret unterstützt Ambi-Vation Unternehmen bei der Bedarfsidentifikation, Startupidentifikation, Startupbewertung und Kooperationsanbahnung der Zusammenarbeit. Dazu dienen Formate wie beispielsweise die Recherche von relevanten Startups, ein Startup-Monitoring, strategische Kooperationsberatung oder Eventformate wie Startup Touren. Der monatliche Newsletter informiert zudem neugierige Unternehmensvertreter über aktuelle Kooperationsbeispiele und Events zu diesen Kooperationen.