Digitalisierung ist in den meisten Firmen heute kein neues Thema mehr. Doch gerade in den Bereichen Unternehmenskommunikation und Human Resources werden die aktuellen Möglichkeiten erst von wenigen digitalen Vorreitern ausgeschöpft. Mit einem innovativen Sprachanalyse-Tool auf Basis Künstlicher Intelligenz unterstützt die junge Aachener Firma Precire Unternehmen in Deutschland und Europa dabei, ihren Austausch mit Kunden, Mitarbeitern und Bewerbern smarter zu gestalten. Wir haben den Psychologen und CIO Christian Greb getroffen und gefragt, was dahinter steckt.

Christian, Sprachanalyse mithilfe Künstlicher Intelligenz – was muss man sich darunter vorstellen und wie hilft euer Tool den Kunden?
Precire ist eine Software, die gesprochene und geschriebene Sprache nutzt, um Voraussagen über die Eigenschaften und Emotionen von Menschen, aber auch die Wirkungsweise der internen und externen Kommunikation von Unternehmen zu treffen. Firmen setzen Precire vor allem ein, um mehr über sich selbst zu erfahren und bewusst gestalten zu können, wie sie von Menschen wahrgenommen werden. Wir helfen unseren Kunden zum Beispiel, Texte so zu optimieren, dass sie perfekt zur Corporate Identity des Unternehmens passen oder Führungskräfte zu coachen, damit sie überzeugender auftreten können.

Darüber hinaus kann Precire aber auch im Bewerbungs- und Onboarding-Prozess zur Anwendung kommen. So führt unsere Software Gespräche mit Jobinteressenten, um Hinweise darauf zu geben, ob ein Bewerber auf eine Stelle passt. Die dabei erhobenen Daten können wir ggf. später für die Gestaltung individueller Einarbeitungs- und Weiterbildungsmaßnahmen verwerten.

Welche Aspekte von Sprache sind bei eurer Analyse ausschlaggebend?

Precire analysiert bis zu 500.000 Bausteine von Sprache, darunter Sprechgeschwindigkeit, Tonalität, Wortgewichtung, Emotionswörter, zeitassoziierte Wörter, aber auch bestimmte Wirkungsweisen und die Stimmlage. Die Gewichtung von Wörtern im Kontext anderer Wörter nehmen wir besonders unter die Lupe.

Wenn ich z.B. ein Wort habe wie „schlecht“, wirkt dies zunächst wie ein negatives Emotionswort. Lautet der ganze Satz jedoch „Das ist echt nicht schlecht.“ ist die Aussage positiv. Es kommt also darauf an, die Informationen zu betrachten, die in der Sprachstruktur stecken. Um hier verlässliche Aussagen zu treffen, verbinden wir Verfahren aus der modernen Algorithmik mit unserer psychologischen Fragestellung.

Welche Kunden nutzen euer Tool? Wie groß ist der Anteil an Startups gegenüber etablierten Unternehmen?

Precire wird von Mittelständlern, Konzernen, aber auch Startups im In- und Ausland genutzt. Etwa 80 Prozent unserer Kunden gehören eher zu den etablierten Unternehmen. Dass der Anteil an Startups relativ gering ist, hängt sicher auch damit zusammen, dass diese jungen Firmen häufig einfach noch mit anderen Themen beschäftigt sind, bevor sie überhaupt auf die Ideen kommen, ihre Prozesse und ihre Kommunikation mit KI-Tools zu optimieren.

Ihr seid selbst immer noch ein relativ junges Unternehmen. Wie überzeugt ihr große Konzerne, dass sie Precire brauchen?

Wir haben den entscheidenden Vorteil, dass unser Produkt im persönlichen Kontakt ziemlich schnell Begeisterung auslöst. Im zweiten Schritt müssen wir dann aber natürlich nachweisen, dass die ganze Technologie kein Hokuspokus ist und wir Aspekte, wie den Datenschutz gewährleisten können. Letztendlich geht es vor allem darum, dem Kunden Mehrwerte anzubieten.

Wenn man es dann aber geschafft hat, einen Konzern von sich zu überzeugen, wird es einfacher. Die Konzerne kommunizieren relativ stark untereinander. Mit etwas Glück wird man durch Mund-zu-Mund-Propaganda weiterempfohlen.

Kannst du uns von einem Beispiel eurer Zusammenarbeit mit Konzernen berichten?

Ja, wir unterstützen unter anderem die Versicherungsgruppe Talanx dabei, eine agile Organisation zu werden. Unser Sprachanalyse-Tool eignet sich hier sehr gut, um die Kommunikation unter den Führungskräften zu beleuchten und konkrete Hinweise abzuleiten, die mehr kommunikative Strategien ermöglichen und das Wirken untereinander verändert. Für andere Auftraggeber optimieren wir zum Beispiel Mailings. Wir schauen, wie oft Schreiben überhaupt geöffnet werden, wie viele Kunden antworten und können dann die sprachliche Gestaltung so signifikant verbessern, dass dies positive Auswirkungen auf die KPI des Unternehmens hat.

Was sollten Startups und etablierte Unternehmen voneinander lernen?

Ich denke, dass etablierte Unternehmen von Startups vor allem lernen können, ihre Prozesse zu flexibilisieren und entscheidungsfreudiger bzw. mutiger zu werden. Auf der anderen Seite haben gerade die Konzerne sehr stark nachgewiesen, wie es gelingt, ein Geschäftsmodell zu etablieren, mit dem Geld verdient wird und durch das viele Menschen in Arbeit kommen. Hier könnten sich die meisten Startups noch eine Scheibe abschneiden.

Vor wenigen Jahren wart ihr selbst noch ein Startup. Was hättest du rückblickend gern damals schon gewusst?

Wir haben zu Beginn nicht schnell genug auf die Anforderungen des Marktes reagiert, sondern waren zu stark auf die Entwicklung unserer Technologie fokussiert. Das hat uns einiges an Zeit gekostet. Zudem haben wir unterschätzt, wie wichtig es ist, das Zusammenspiel der Mitarbeiter bewusst zu gestalten. Wer kooperiert mit wem? Wie ist die Stimmung? Wie sieht das ganze firmeninterne Beziehungsgeflecht aus? Hier lohnt es sich als Gründer auf jeden Fall, Zeit zu investieren, um das Ganze immer im Blick zu behalten.

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Über Ambi-Vation
Ambi-Vation verbindet innovative Unternehmen und Startups für Innovations-Partnerschaften. Dabei forciert Ambi-Vation als Innovationsberatung und Match-maker die Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Startups im Rahmen eines allgemeinen Austauschs sowie im Rahmen von konkreten Kunden-, Lieferanten- und Forschungspartnerschaften. Konkret unterstützt Ambi-Vation Unternehmen bei der Bedarfsidentifikation, Startupidentifikation, Startupbewertung und Kooperationsanbahnung der Zusammenarbeit. Dazu dienen Formate wie beispielsweise die Recherche von relevanten Startups, ein Startup-Monitoring, strategische Kooperationsberatung oder Eventformate wie Startup Touren. Der monatliche Newsletter informiert zudem neugierige Unternehmensvertreter über aktuelle Kooperationsbeispiele und Events zu diesen Kooperationen.